Harf Zimmermann Brandwand #30 Erfurt, 2012 UV-cured ink auf Polyesterleinwand Sonderedition Kunstraum Potsdam Print 1/1
Ort:
Kunstraum Potsdam

Schiffbauergasse 4d
14467

www.kunstraumpotsdam.de

Öffnungszeiten:
Mi.- So. von 13-18 Uhr

Eintritt: Frei

Barrierefrei:
√ WC für Rollstuhlfahrer
√ Eingang ebenerdig
√ Assistenzhund zugelassen
√ Voll zugänglich
√ Geeignet für Menschen mit Sehbehinderung
√ Geeignet für Menschen mit Hörbehinderung
√ Parkplatz für Rollstuhlfahrende
√ Geeignet für Menschen mit Lernschwierigkeiten
04.03.2017 bis 09.04.2017
Veranstalter: Kunstraum Potsdam - Waschhaus Potsdam gGmbH

Harf Zimmermann/Brand Wand, Menno Aden/Komposition

Harf Zimmermann BRAND WAND 1988–2014
Eine Brandwand ist zunächst nichts, als eine besonders robuste Mauer im Haus, die bei Feuer verhindert, dass es zum Nachbarn überspringt, ehe die Feuerwehr kommt. Strukturell notwendig, gesetzlich vorgeschrieben, diskret und dienlich, nicht sichtbar. Das Bild der deutschen Städte nach dem zweiten Weltkrieg hat den Begriff neu definiert.
Der Totale Krieg war als Feuersturm nach Deutschland zurückgekehrt, erzeugt mit der perfekten Mixtur aus Spreng- und Brandbomben, die eine ungekannte, fast nukleare Hitze erzeugen konnte. Und durch den Brand war sie nach außen getreten, die eherne Substanz aus dem Inneren: rohe, weit in die Tiefe reichende Mauern. Mit Brandwand meinten die Leute von nun an das, was der Brand verschont hatte. Die Brandwände haben ihren festen Platz im öffentlichem Raum und in der Umgangssprache eingenommen und blieben immer, was sie waren: Zeugnisse der Katastrophe, des Scheiterns. Ob so, wie der Brand sie hinterlassen hatte, mit provisorischer Flickschusterei, dem Rauhputz der 50er oder 60er Jahre, ob mit Asbest und Wellblech der 70er. Mit neuer Werbung, die im Osten, wo es nie um den Verkauf von im Überfluss hergestellten Produkten ging, besonders seltsam wirkte, oder mit alter Werbung für alte Dinge, die es schon lange davor nicht mehr gegeben hatte oder von jedem etwas. Bewachsen, überwuchert, mit wilden Bäumen davor, die irgendwann die Gebäude überragten. Ein scheinbar unaufhaltsam fortschreitender Dämmerzustand, mal verkommen, mal romantisch, je nachdem, wie man es sehen wollte.
1989 kam das Ende der trügerischen Idylle. Über die langsam gewachsenen Spuren von hundert Jahren haben sich seither in Windeseile unzählige neue Schichten gelegt. Als könnte es nicht schnell genug gehen, zu tilgen und wegzupinseln. Sprächen wir nicht über Städte, sondern über Bäume oder arktische Bohrkerne beispielsweise, könnte man an den obersten Ringen den Turbo-Klimwandel der letzten Jahre ablesen. Wäre das Ganze die Ausgrabung einer untergegangenen Zivilisation, käme man vermutlich zu dem Schluss, dass das Reich nach seiner Blüte wohl in eine Katastrophe gestürzt sein muss, gefolgt von einer Phase der Stagnation und des langsamen Sterbens, ehe seine Hinterlassenschaften irgendwann wieder ausgegraben und geputzt worden waren – um dann erneut in Vergessenheit zu geraten. Oder wäre es ein Märchen, dann das von Dornröschen, nur dass nach dem Erwecken nichts wieder in die alten Bahnen zurückkehrt: Der Koch gibt dem Lehrling nicht die Ohrfeige, die Suppe im Topf kocht nicht einfach weiter. Und die Prinzessin? Abgesehen davon, dass sie nicht wachgeküsst, sondern geschüttelt wurde, hat sie im Schlaf irgendwie vielversprechender ausgesehen, unschuldiger jedenfalls als jetzt, mit all der Schminke, immer ein wenig zu grell und manchmal auch ein wenig zu billig. Oder war sie vielleicht schon vorher so?
Harf Zimmermann Berlin, Mai 2014 (gekürzt)


Menno Aden Komposition
Die Arbeiten der Serie „Compositions“ wirken auf den ersten Blick wie konstruktivistische Kompositionen von leicht gegeneinander verschobenen geometrischen Formen. Was zunächst anmutet wie abstrakte Zeichnungen oder Collagen, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Ausschnitte eines von Menno Aden fotografierten Turnhallenbodens.
Jeder Ausschnitt zeigt Deckel von kreisrunden Bodeneinlassungen mit den darüber geklebten Spielfeldmarkierungen. Durch das Herauslösen dieser Details aus dem Gesamtzusammenhang des Spielfeldes entstehen neue Erzählungen mit einem neuen Regelsystem, bei der die versetzten Deckel zur (visuell-)poetischen Stolperfalle wird.

In seiner Serie „Over Head“ zeigt der Fotokünstler Menno Aden Decken verlassene Verwaltungsräume des ehemaligen US-Hauptquartiers in Berlin-Dahlem. Mithilfe des Mediums der Fotografie, trägt er somit einen historischen Moment des Gebäudekomplexes in die Gegenwart. Dieser fungierte während des Kalten Kriegs als Militäranlage der U.S.-Army und verfügte in Zeiten des Übergangs über viele leerstehende Räumlichkeiten. Dabei sind es vor allem Dinge, die erst auf den zweiten Blick auffallen, welche Aden reizen und in seinen Fotografien fokussiert werden. Vermeintlich zufällig hinterbliebene Aspekte, wie das nur teilweise erkennbare Netz aus Rohren und Stromleitungen, gewinnen erst aufgrund des detaillierten Blicks durch die Kameralinse an Bedeutung. Aden lässt den Betrachtern die Rolle der Spurensucher zukommen, die Abstand von offenkundigen Spuren und stattdessen die verborgenen Aspekte dieses repräsentativen Ortes unter die Lupe nehmen.
Adens Fotografien bestechen durch eine sachliche, grafisch anmutende Ästhetik, die durch digitale Bearbeitung und Kombination der einzelnen Werke an rhythmischer Verspieltheit gewinnt.