Neue Auftraggeber / Les Nouveaux Commanditaires und die Künstler / and the artists, Xavier Veilhan: Le Monstre, 2004
Ort:
Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V.

Ausstellungspavillon Freundschaftsinsel
14467 Potsdam

Telefon: +49 331 279753980

www.bkv-potsdam.de

Öffnungszeiten:
April - September Mi - So 13 - 18 Uhr; Oktober - März Mi - So 13 - 17 Uhr

Eintritt: Frei

Barrierefrei:
√ Voll zugänglich
06.07.2018 bis 19.08.2018
Veranstalter: Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V.

Das Protokoll

Eine Ausstellung über das Netzwerk Neue Auftraggeber

Eine „Kulturrevolution“ nennt sich das europäische Netzwerk „Neue Auftraggeber“ mit großen Selbstbewusstsein. Seit einiger Zeit ist der BKV Potsdam ein Teil dieses Projekts. Es will allen Menschen möglich machen, was meist das Vorrecht weniger Privilegierter war. Jeder soll Auftraggeber eines bedeutenden Kunstwerks werden können. Von der Großstadt bis zum kleinsten Dorf sollen so Bürgergruppen ihren Ort und ihr Umfeld gestalten können. Nicht Geld oder Macht soll das Kriterium sein, sondern der dringende Wunsch nach kultureller Veränderung. Die Ausstellung zeigt einige ausgewählte Projekte und stellt Potsdam und Brandenburg die Methode der „Neuen Auftraggeber“ vor.

Kurator: Gerrit Gohlke
Projekt: Neue Auftraggeber
Ausstellungsort: Freundschaftsinsel

Damit soll eine Methode bekannter werden, die 1990 mit einem Künstlermanifest ins Leben gerufen wurde und seither über 500 Projekte in 15 Ländern hervorgebracht hat. Der belgisch-französische Künstler François Hers hatte damals in seinem „Protokoll“ ein Kräftegleichgewicht beschrieben. Bürgerinnen und Bürger sollten in die Lage versetzt werden, nicht etwa selbst zu Künstlern zu werden, sondern öffentlich kulturelle Wünsche zu formulieren. Hers wollte sicherstellen, dass die am besten geeigneten Künstlerinnen und Künstler mit allen verfügbaren Mitteln auf diese Wünsche reagieren würden. Damit beide Seiten sich so offen wie möglich auf diesen ungewohnten Dialog einlassen würden, sieht Hers Modell bis heute unabhängige Mediatoren in einer zentralen Funktion des Projekts vor. Sie recherchieren, ermitteln die Lage am Ort, suchen Künstler, sprechen mit Politik und Institutionen und garantieren, dass „Auftraggeber“ und Künstler gleichberechtigt miteinander kommunizieren können und zugleich die Kunst in ihren eigenen Ansprüchen respektiert wird.

Hers künstlerische Gewaltenteilung unterscheidet das Modell von den verschiedensten Programmen staatlicher Auftragskunst, in denen Kommissionen, Experten, Betriebe und andere Institutionen ermitteln, welche Kunst gesellschaftlich erwünscht ist und dabei im Namen von Kollektiven sprechen.

„Neue Auftraggeber“ will diesen Prozess durch die größtmögliche Direktheit umgehen. Die Auftraggebergruppe mag klein sein. Sie darf subjektiv sein. Sie muss weder eine Stadt, noch eine politische Mehrheit repräsentieren. Hers verlangt allein, dass sie ein dringliches Anliegen hat, auf das Kunst zu reagieren vermag. Wie sie das tut, ist die Sache der Künstlerinnen und Künstler. Entsteht eine Skulptur, eine Oper, eine Performance? Ist der Bedarf klar ermittelt, wird sich die Lösung finden, war Hers überzeugt, und machte das Vertrauensverhältnis der Beteiligten zum Kern der Methode. Weder würden die Auftraggeber den Künstlern ins Handwerk pfuschen, noch würde ein künstlerisches Werk an den Wünschen der Bürger vorbei formuliert. Das Protokoll strebt die Balance einer Gemeinschaft zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern an. Es war der radikale Versuch, die Kunst aus der Experteninstitution zu befreien und umgekehrt der Zivilgesellschaft Vertrauen in die Kunst abzuverlangen, die sich ihren Bedürfnissen widmet. „Kulturrevolution“ erscheint für dieses Wagnis als nicht ganz unpassendes Wort.

Die Ausstellung im BKV Potsdam versteht sich als Schauraum dieses Modells. Sie will auch darauf aufmerksam machen, dass „Neue Auftraggeber“ seit einigen Monaten in Deutschland in eine neue Phase eingetreten ist. Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes sind neue Mediatorinnen und Mediatoren in drei Bundesländern unterwegs, um neue Projekte aufzubauen. Sie recherchieren Orte, sprechen mit Akteuren und werden im Laufe der Zeit neue „Auftraggeber“ finden. Eine der Regionen ist das Land Brandenburg. Hier fungiert der BKV Potsdam, der mit den „Sieben Künsten von Pritzwalk“ von Clegg & Guttmann bereits ein zentrales Pilotprojekt der „Neuen Auftraggeber“ in Deutschland realisiert hatte, als Ankerpunkt des Netzwerkes. Der Verein wird die Entwicklung des Projekts begleiten und dokumentieren.