Foto: Britta Lumer
Ort:
Ausstellungspavillon auf der Freundschaftsinsel

Ausstellungspavillon auf der Freundschaftsinsel
14467 Potsdam

Telefon: 0331 279 753 980

www.bkv-potsdam.de

Öffnungszeiten:
Mi-So 14-17 Uhr

Eintritt: frei

Barrierefrei:
√ Eingang ebenerdig
√ Voll zugänglich
√ Geeignet für Menschen mit Hörbehinderung
√ Geeignet für Menschen mit Lernschwierigkeiten
21.05.2017 bis 23.07.2017
Veranstalter: Brandenburgischer Kunstverein Potsdam

Britta Lumer

Refluence

Britta Lumers Werk, aus dem der Brandenburgische Kunstverein eine vor allem auf die letzten sechs Jahre konzentrierte Zusammenstellung zeigt, ist eine entschiedene Distanzierung vom Vertrauen auf die Eindeutigkeit der Bilder. Ausgehend von einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie versetzt sie Zeichnungen mit Tusche und Kohle, aber auch mit Bleichmittel und anderen unorthodoxen Reagenzien in Zustände fließender Offenheit. So entstanden zuletzt Serien großformatiger Tuschemalereien, in denen sich das Innere und Äußere der menschlichen Figur zu überlagern scheint. Alternativen zum manifest gewordenen Bild sind dabei nicht nur vorstellbar, sie sind im Werk selbst bereits angelegt.

Verlässliche Perspektiven lösen sich dabei schon im Gestaltungsprozess auf. Aus der Bearbeitung des Papiers und der Pigmente mit chemischen und physikalischen Techniken, durch das Bleichen der Leinwände, den über die Papierebene geblasenen und wieder abgesaugten Kohlestaub entstehen skeletthafte Elemente, Fließ- und Wischspuren und rorschachhafte Überlagerungen, aus denen sich der Betrachter seine Wirklichkeit indizienhaft zusammensetzen muss. Zuweilen könnte man meinen, das zeichnerische Verfahren dringe dabei wie eine Röntgentechnik hinter unsere Vorstellung von Körpern und Physiognomien vor. Jede Linienführung, jeder Schatten nass in nass zusammenfließender Farbverläufe scheint nur dazu gemacht, gedreht, gewendet und immer wieder neu beleuchtet zu werden. Wo fotografische Bilder im Moment des Auslösens eindeutige Urteile über die Wirklichkeit (und den Porträtierten) fällen, nimmt Lumer stattdessen zeichnerisch die Festigkeit der Entscheidungen zurück.

In Lumers Werk werden alle Momente und Posen unterminiert. Was im technisch reproduzierten Bild als Augenblick und Ausschnitt isoliert ist, erscheint plötzlich fortsetzbar. Könnte man den abgebildeten Körper in der Vorstellung nicht auch ein paar Grad um seine Achse drehen? Und stellt das janusköpfige Profil da drüben nicht einfach zwei Aggregatzustände der selben Physiognomie zur Diskussion?

Wenn die Künstlerin ihre Ausstellung „Refluence“ (wörtlich „Rückfluss“) nennt, bringt sie die Methode mit einem Kunstwort auf den Punkt. Der Titel beschreibt eine Wiederverflüssigung. Hier wird ein Einfluss aufgehoben, die Erstarrung aufgelöst und die Verfestigung zersetzt.

Britta Lumers Zeichnungen verselbständigen sich zu Gegenbildern. Sie sind flüchtig, aber autonom. Unabgeschlossen, aber klar. Sie unterwerfen sich keinem festen Begriff und öffnen sich über das Bild hinausreichenden Zusammenhängen. Was Sie sehen, sind Gegenbilder zu allen Bildinszenierungen, Gegenmittel gegen falsche Eindeutigkeit.